INTRODUCTION

Many of Nina Ansari‘s works are based on her own bio­graph­i­cal back­ground. Born in 1981 in Tehran, as a four-year-old she expe­ri­enced the war between Iran and Iraq, and final­ly the migra­tion to Ger­many. She stud­ied with hon­or at the Acad­e­my of Art and Design in Offen­bach am Main, Ger­many. In 2007 she received the Eras­mus Grant for Fac­ul­ty of Fine Arts Barcelona.Nina Ansari’s artis­tic activ­i­ties are char­ac­ter­ized by a thema­ti­za­tion of topoi like iden­ti­ty or remem­brance – there­by cor­re­spond­ing to very dif­fer­ent kinds of artis­tic expres­sion and media. In her draw­ings, pho­tographs, paint­ings and instal­la­tions, she explores the fragili­ty of iden­ti­ty and mem­o­ry as well as the con­struc­tions of real­i­ty alle­ga­tions and closed real­i­ties. Her exper­i­men­tal prac­tice can be seen as both a mate­r­i­al test­ing ground and con­cep­tu­al lab­o­ra­to­ry that inves­ti­gates diverse per­son­al, social and polit­i­cal themes. Nina Ansari opens up an asso­cia­tive space to the view­er, that allows every­one to see some­thing dif­fer­ent in the respec­tive scenes, and with a lit­tle patience, the view­er can immerse in the depth of the images. Nina Ansari received sev­er­al shol­ar­ships like DAAD Fac­ul­ty of Fine Arts Barcelona 2007/08, A Word of Art Africa 2011, Art, sci­ence and tech­nolo­gie cen­ter CAMAC (work­ing schol­ar­ship pro­vid­ed by the French gov­ern­ment) 2016 and has pre­sent­ed her works in solo shows and group exhi­bi­tions, like as the Muse­um Arse­nals of Con­tem­po­rary Art of Riga, Kun­stvere­in Fam­i­lie Mon­tez, 21er Haus Muse­um für zeit­genös­sis­che Kun­st, Nation­al Gallery of Mace­do­nia, UGM Mari­bor Art Muse­um and Haus der Kul­turen der Welt.

 

 

Les thèmes de prédilec­tion de Nina Ansari sont l’identité et le sou­venir, qu’elle développe avec un large éven­tail d’expressions artis­tiques et de médias. L’oeuvre pho­tographique de Nina Ansari, déjà très large, exam­ine l’histoire mod­erne de l’Iran (ère pré-révo­lu­tion­naire), pays que sa famille a quit­té lorsqu’elle avait 4 ans pour s’installer en Alle­magne, sous un mode cri­tique tout en gar­dant une grande finesse et élé­gance. Elle pra­tique aus­si le dessin et la pein­ture et a récem­ment com­mencé à réalis­er des vidéos. La beauté stupé­fi­ante de corps, sem­blables à des cocons criblés de trous et bril­lants comme des étoiles, se mou­vant — l’expressivité véhé­mente de ses mes­sages pho­tographiés écrits sur des vis­ages ou de ses pho­togra­phies de gestes — ou encore son jour­nal pho­tographique de l’Iran avant 1984, ancre Nina dans la tra­di­tion des artistes con­tem­po­rains iraniens impliqué poli­tique­ment comme Shirin Neshat ou Paras­tou Forouhar. Mais, Nina Ansari est aus­si intéressée par les ram­i­fi­ca­tions de ses pro­pres per­cep­tions intérieures. C’est pourquoi elle n’a pas de réserves quant à d’autres modes d’expression comme la mode, la danse, la per­for­mance, qui lui per­me­t­tent d’exprimer ses pen­sées intérieurs et lais­sent une impres­sion presque mag­ique chez le spectateur.

Text: Prof. Chris­t­ian Janecke 
Trans­la­tion: Laéti­tia Brion

 

Nina Ansari´s Œuvre ist vielschichtig und umfasst die Medi­en Fotografie, Film, Instal­la­tion und Malerei. Die 1981 in Teheran geborene Kün­st­lerin the­ma­tisiert in ihren Arbeit­en immer wieder auto­bi­ographis­che Erin­nerun­gen, wie den Krieg und die Frage der Iden­tität­szuge­hörigkeit. Durch ihren mul­ti­kul­turellen Hin­ter­grund gelingt es ihr mit­tels der ver­schiede­nen Medi­en eine visuelle Welt zum Leben zu erweck­en, die sich in einem Wech­sel­spiel zwis­chen Ori­ent und Okzi­dent offen­bart. Unter dem Titel „War, Bedeu­tungsträger, der Krieg“ schuf Ansari 2010 eine Fotoar­beit, die sie als Abschlus­sar­beit an der Hochschule für Gestal­tung in Offen­bach am Main präsen­tierte und die im Anschluss in Berlin, Ham­burg, Ulm, Frank­furt sowie inter­na­tion­al in Kap­stadt und Mani­la aus­gestellt und im Jahr 2011 auch in Buch­form veröf­fentlicht wurde.

Für die Entste­hung der Fotografien von „War, Bedeu­tungsträger, der Krieg“ ent­warf Ansari einen dun­klen Raum, in dessen Wände sie zahlre­iche Öff­nun­gen schlitzte. Außer­halb des Raumes posi­tion­ierte die Kün­st­lerin zwölf Blitzgeräte, die mit ihrer Fotokam­era ver­bun­den waren. Eine Gruppe von Men­schen wurde von Ansari angeleit­et, sich in diesem dun­klen Raum zu bewe­gen, während sie selb­st durch ihre Kam­era die Blitze aus­löste und im jew­eili­gen Moment ein Bild schoss. Die Dunkel­heit machte es für die Beteiligten unmöglich zu erah­nen, wann und aus welch­er Posi­tion die Kün­st­lerin den Aus­lös­er betäti­gen würde, so dass die Porträtierten ein­er­seits ihrer eige­nen und der kör­per­lichen Präsens der Kün­st­lerin sowie dem Über­raschungsmo­ment des unver­mit­telt aufleuch­t­en­den Blitzes aus­geliefert waren. Für die Kün­st­lerin bestand die beson­dere Her­aus­forderung darin im Dunkeln die Kam­era scharf zu stellen, auf die Per­so­n­en zu zie­len und so die Zufäl­ligkeit des Lichte­in­falls festzuhalten.

Die so ent­stande­nen Fotoauf­nah­men zeigen die Porträtierten, wie sie sich zum Teil unsich­er durch den Raum bewe­gen, beina­he übere­inan­der stolpern und sich in ihren Augen – die geweit­eten Pupillen star­ren ins Leere – der Schreck­mo­ment des plöt­zlichen Blit­zlicht­es wider­spiegelt. Durch das „Aus­geliefert­sein“ und das mit der Kam­era aus­ge­führte „Zie­len“ auf die Men­schen, rückt das Sehen, der Blick in den Vorder­grund und in einen größeren Kon­text geset­zt, entste­ht eine Verknüp­fung zum The­ma „Krieg“. Denn die Unmit­tel­barkeit der in der Dunkel­heit auf­flam­menden Lichtquellen, ist auch mit dem per­sön­lichen Erfahrungss­chatz der Kün­st­lerin ver­bun­den: Im Alter von vier Jahren wurde Nina Ansari Zeu­g­in des Krieges im Iran, bevor sie mit ihrer Fam­i­lie nach Deutsch­land über­siedelte. Eine der Erin­nerun­gen an den Krieg ist für die Kün­st­lerin mit den plöt­zlichen Licht­blitzen der Bomben verbunden.

Der Blick, das Sehen, Erin­nerung und die Entste­hung von Iden­tität sind The­men, mit denen sich Nina Ansari auch in weit­eren Arbeit­en auseinan­derge­set­zt hat. Im Jahr 2005 bereiste die Kün­st­lerin zum ersten Mal seit ihrer Kind­heit den Iran und besuchte viele ihrer Ver­wandten, die sie bis dahin nur von Fotoauf­nah­men kan­nte. Diese Reise zog die Entste­hung der Arbeit „Visu­al Iran“ nach sich, in der die Kün­st­lerin eine Samm­lung von Fotografien aus den Jahren 1938–1984 anlegte. In diesen Zeitraum fällt auch die Herrschaft des ersten Schahs, so dass die Bilder einen Ein­druck des Lan­des ver­mit­teln, der sich fun­da­men­tal vom heuti­gen Bild des Iran unter­schei­det. Neben dem Aspekt, der die Geschichte des Lan­des reflek­tiert, wer­den anhand der in der Arbeit vere­in­ten Fotoauf­nah­men Fra­gen nach der Iden­tität eines Men­schen laut. Auf den Bildern sind Fam­i­lien­feste wie Taufe, Geburt­stage und Hochzeit­en wiedergegeben – Augen­blicke also, die unab­hängig von den poli­tis­chen Umwälzun­gen eines Lan­des existieren und die einem Men­schen etwas über die eige­nen Vor­fahren und damit über die eigene Iden­tität mit­teilen. Die Foto­samm­lung für Visu­al Iran endet mit ein­er Rei­he ver­schwommen­er Auf­nah­men, die der Kind­heit der Kün­st­lerin entstam­men. Ähn­lich wie bei „War, Bedeu­tungsträger, Der Krieg“ ist es der Blick, das Sehen, das sicht­bar- bzw. unsicht­bar machen, das die Kün­st­lerin zum Aus­druck bringt und durch welch­es die Frage nach der „Wirk­lichkeit­sentste­hung“ verdeut­licht wird.

Text: Cori­na Dreßler & Anne Zdunek